Land ist das neue Gold, Nahrung ist das neue Öl

Was knapp ist, wird teuer. So lautet ein Grundgesetz des Marktes. Das Edelmetall Gold steht seit Jahrtausenden für krisensichere materielle Werte. Was heute den Besitz von Gold kennzeichnet, könnte schon bald für landwirtschaftlichen Boden gelten. Weltweit kaufen langfristig planende Investoren fruchtbare Böden. China sichert sich mit Äckern in Afrika, dass eine Milliarde Chinesen auch in Zukunft ernährt werden können – und zwar mit Getreide und Fleisch. Vor 40 Jahren haben uns die Lehrer in der Schule die Weltbevölkerung mit vier Milliarden Menschen angegeben, heute sind es doppelt so viele. Die landwirtschaftliche Fläche hat sich aber nicht verdoppelt. Unabhängig von saisonalen Preisschwankungen wird daher Getreide teurer werden. Für die Fleischproduktion steckt in dieser Entwicklung eine Hebelwirkung: Teure Futtermittel ergeben noch teureres Fleisch. Aus dieser leicht vorhersehbaren Entwicklung können diese Ratschläge gegeben werden: Wer Geld hat, sollte in Land investieren. Wer Fleisch verkaufen will, sollte sich seine Lieferanten sichern oder selbst in der Landwirtschaft investieren. Vertragslandwirtschaft, also langfristig gesicherte Beziehungen zwischen Bauern und Fleischern, werden wichtiger denn je. Zumal vertraglich definierte Bedingungen für die Haltung und Fütterung der Tiere ein großes Ziel jedes Premium-Fleischanbieters erreichbar machen: „Mein Fleisch ist anders und besser als Fleisch von irgendwoher“. Freuen können wir uns für die Bauern, die Land und Tiere besitzen – ihr Besitz wird mehr Wert haben und ihr Beruf wird attraktiver werden.

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Wachstumsmarkt Lebensmittel online

Im Einzelhandel gilt oft: Die Kunden informieren sich in den stationären Geschäften und kaufen dann online. Im Lebensmittelhandel gilt immer mehr: Die Kunden informieren sich online und kaufen dann in den stationären Geschäften. Auf diesen wichtigen Unterschied macht die gerade erschienene Studie des Beratungsunternehmens EY aufmerksam. Die 0,3 % aller Lebensmitteleinkäufe, die gegenwärtig online getätigt werden, erscheinen unbedeutend. Für alle, deren Geschäft aber nicht der Lebensmittel-Weltmarkt, sondern eine Nische ist, werden diese Promillewerte schon wichtiger. Denn: Gerade die gut informierten und kaufkraftstraken „Gourmet-Shopper“ nutzen das Internet überproportional und wollen künftig dort zu 48 % Lebensmittel einkaufen. Das bedeutet: Wer etwas anzubieten hat, was nicht überall verfügbar ist, sondern vielmehr knapp, regional gebunden und eher hochpreisig, der braucht das Internet mehr als alle anderen Anbieter. Für 6 % der Lebensmittelkäufer ist das Internet heute schon die Informationsplattform, gekauft wird dann stationär. In Großbritannien werden übrigens mehr als 10mal so viele Lebensmittel online gekauft wie in Deutschland. Und wenn im Vereinigten Königreich der Lebensmittelhändler TESCO seine Kunden animiert, angebotene Produkte auf Facebook zu „liken“ und dafür dann die doppelten Treuepunkte zu kassieren – dann wird man abwarten können, bis METRO und REAL ihre Payback-Punkte ähnlich nutzen werden. Wie bunt die Welt des Onlinegeschäfts ist, zeigt auch der Blick über den „großen Teich“: In den USA motiviert Walmart seine stationären Kunden dazu, auf dem Heimweg die Onlinekunden zu beliefern. Und natürlich träumen die Handelsmanager im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ davon, dass schon bald Drohnen die online bestellten Lebensmitteleinkäufe direkt zum Kunden fliegen.
Die Zahlen und Prognosen lassen eine deutliche Empfehlung geben: Das Investment in Onlineshops lohnt dort besonders, wo etwas Exklusives, Einzigartiges angeboten wird. Für alle anderen lohnt die Informationsplattform Internet, um Kunden in das stationäre Geschäft zu locken.

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Wareneinsatz und Personalkosten: 45/30 ist doch besser als 48/27!

„45/30 ist doch besser als 48/27“, sagte mir ein Kunde aus dem Fleischerhandwerk vor wenigen Tagen. Mit 45 bzw. 48 war der Wareneinsatz und mit 30 bzw. 27 war die Personalkostenquote gemeint. Rechnerisch und isoliert betriebswirtschaftlich ist das zunächst nicht ganz einleuchtend: Denn die Summen von 45/30 wie von 48/27 ergeben jeweils 75 – und bei 75 % Kosten für Ware und Personal bleibt ausreichend Spielraum für die sonstigen Kosten und einen für die Branche immer noch überdurchschnittlichen Ertrag. Ganz klar: Rechnerisch ergeben 45+30 wie auch 48+27 jeweils 75!

Der neuen Formel für die Kostenaufteilung vorausgegangen war die Entscheidung einer betrieblichen Zielvereinbarung: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen aktiv mitwirken, den Wareneinsatz um drei Prozent zu drücken. In einem halbtägigen Seminar haben wir erklärt, wie wir das gemeinsam schaffen: Zuerst werden die Preise um zwei Prozent erhöht und alle Bedienkräfte haben gelernt, diese kleine Preiserhöhung an der Theke zu „verargumentieren“. Dann folgen die weiteren Stellschrauben, an denen gedreht werden muss, um den Wareneinsatz zu reduzieren: Beachtung von Temperaturen beim Kühlen und Erhitzen, Reduzierung des Lagerbestands, sorgfältiges Zuschneiden von Fleisch oder auch die Vorbeugung gegen Diebstähle.

Der „faire Deal“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lautete: „Helft mit, den Wareneinsatz um drei Prozent nach unten zu drücken und wir verwenden die drei Umsatzprozente für eine Prämie“. Mit dieser Zielvereinbarung haben wir auch gleich die Prämienverteilung erklärt: Jede Vollzeitkraft, einschließlich der Lehrlinge, erhält die gleiche Prämie, Teilzeitkräfte erhalten die Prämie anteilig.

Da stellt sich die Frage, wo der Vorteil für den Betrieb liegt. Mit der Begründung vor seinen Mitarbeitern hat der Chef weit nach vorne geblickt: „Wir wollen höhere Löhne bezahlen und unsere Mitarbeiter mehr belohnen, aber wir müssen diese Belohnungen zuerst gemeinsam verdienen.“ Somit wird deutlich, dass das rechnerische Nullsummenspiel einen strategischen Vorteil im Wettbewerb um die immer wenigen wirklich guten Arbeitskräfte der Fleischbranche darstellt: Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung verbessern die Wettbewerbsposition. Und der Wettbewerb hat zwei Fronten: Die um die guten Kunden und die um die guten Arbeitskräfte. 45/30 ist also tatsächlich besser als 48/27.

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Mein Friseur kriegt Mindestlohn

Gerade komme ich vom Friseur. Der kriegt jetzt Mindestlohn plus Trinkgeld. Wenige Meter von unserem Büro entfernt, befindet sich ein Einkaufszentrum mit einem Friseurladen. Dort hat noch im März mein Kurzhaarschnitt 8 Euro gekostet, ab April kostete er dann 12 Euro und jetzt 17. Das sind mehr als 100 % Preiserhöhung. Dass die Kunden da mitgehen, hat auch mit der Diskussion um einen Mindestlohn zu tun. Aus dieser Diskussion wissen viele Menschen, dass gerade die Friseure geringe Löhne erhalten. Mindestlöhne sind also gar nicht so schlecht, um eine Preiserhöhung durchzusetzen. Die öffentliche Diskussion um Mindestlohn für den Friseur oder um „Lohnsklaven“ in der Fleischindustrie kann für viele Handwerksunternehmen nutzbar gemacht werden. Wir müssen nur wieder deutlicher sagen, dass wir mit unsozialen Machenschaften nichts zu tun haben. Es wird gerade die soziale Qualität der Arbeitsplätze sein, die dem Handwerk hilft, auch in Zukunft Nachwuchskräfte zu kriegen. Übrigens: Ein durchschnittliches Fleischfachgeschäft hat eine 10mal höhere Personalkostenquote als ALDI – der Discounter hat 2,8 % Personalkosten.

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Der kleine Rassismus an der Wursttheke

 

„Dann sind wir wohl nicht das richtige Geschäft für Sie“ – so antwortete die Fleischer-Unternehmerin Kerstin Kühle www.platzmetzger.de aus Weißenhorn zu einer Kundin. Vorausgegangen war die Kritik der Kundin an der Arbeit einer farbigen Fleischerei-Fachverkäuferin. Wie es sich für eine gute Chefin gehört, hat Kerstin Kühle die Reklamation ernst genommen und sachlich geprüft: War alles korrekt geschnitten? Schön verpackt? Richtig berechnet? Als Kerstin Kühle der Kundin erklärte, dass alles fachlich richtig gemacht worden sei, erfuhr sie schnell, worum es der Kundin wirklich geht: „Wo kommen wir denn in Deutschland noch hin, wenn ich mir jetzt schon von einer Schwarzen die Wurst aufschneiden lassen muss“, platzte es aus der Kundin heraus.

Diese kleine Geschichte ist mir Anlass, meine Hochachtung gegenüber Frau Kühle für ihre Reaktion zu bekunden. Wir haben als Arbeitgeber gegenüber unseren Mitarbeitern auch Schutzaufgaben wahrzunehmen. Sicher: Wir machen das alles nur für unsere Kunden und es fällt uns schwer, einen Kunden abzulehnen. Aber im Umgang mit „schwierigen Kunden“ gibt es auch eine Grenze, an der diese grundsätzliche Regel nicht mehr gilt. Diese Regel lautet: Wir befolgen alle Regeln der Höflichkeit und des guten Benehmens – selbst dann, wenn unser Gegenüber von solchen Regeln noch nicht einmal gehört hat. Deshalb: Respekt, Frau Kühle! Weiter so!

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