Archiv der Kategorie Personal

Gemeinschaftsschule schafft bessere Lehrlinge

Schulkinder werden früh getrennt in solche, die Abitur machen sollen und solche, die übrig bleiben dürfen. Die übrig gebliebenen sitzen dann in der Hauptschule, auch Restschule genannt. Dort, so sagte es der baden-württembergische Handwerkspräsident Joachim Möhrle am 04. Mai 2011 in der Tageszeitung ‘taz’ “leidet die Lernatmosphäre und das Anspruchsniveau erheblich”. Um das “Ausbluten der Hauptschule” zu verhindern und die Zahl der “Risikoschüler” zu reduzieren, fordert Möhrle “eine gemeinsame Basisschule für alle Kinder bis zur neunten Klasse”.

Das ist für die Gesellschaft und für das Handwerk eine gute und richtige Forderung. Längeres gemeinsames Lernen fordert und fördert gerade die schwächeren Schüler. Frühzeitige Elitenbildung unter neun- oder zehnjährigen Kindern lässt die, die nicht zur Noten-Elite gehören, noch schneller abrutschen. Die Gemeinschaftsschule fördert die Gemeinschaft der Schüler und verhindert unerwünschte soziale Klassenbildung. Mehr Gemeinschaftsschulen reduzieren die Unterschichtenprobleme und stärken den Mittelstand. Vor allem aber kriegen wir so bessere Lehrlinge - und die brauchen wir mehr denn je!

Autor: Fritz Gempel

Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelkontrolle

Sicherheit und Produktionsstrukturen

Sicherheit und Kontrolle von Lebensmitteln hängen stark mit den Strukturen in der Produktion auf allen Ebenen zusammen: Ein immer höheres Maß an Arbeitsteilung schafft zwangsläufig ein höheres Maß an Verantwortungsteilung. Mit zunehmender Arbeitsteilung muss also auch die Kontrolle intensiviert werden. Dezentrale (hier besonders regionale) Vermarktungsstrukturen sind leichter zu kontrollieren und bieten generell geringere Risiken. Zwar können auch hier Fehler auftreten, diese Fehler bleiben aber in ihren Auswirkungen begrenzt

Institutionalisierung und personalisierte Sicherheit

Lebensmittelsicherheit entsteht vor allem durch verantwortungsbewusst arbeitende Menschen. Mehr persönliche Verantwortung - die vor allem in inhabergeführten Betrieben des Lebensmittelhandwerks und in der bäuerlichen Landwirtschaft erkennbar wird - ist eines der wirkungsvollsten Sicherungssysteme in kleingliedrigen Strukturen.

Reale Kontrolle und “Kontrolle der Kontrolle”

Wir verlassen uns zu sehr auf institutionalisierte Sicherungssysteme. In den vergangenen Jahren hat die Lebensmittelüberwachung einen Rückzug auf die “Kontrolle der Kontrolle” angetreten: Die Betriebe werden in stärkerem Maße zu Eigenkontrollen und Dokumentationen verpflichtet.. Die Kontrolleure prüfen zu sehr diese Dokumentationen und zu wenig die realen Betriebe.

Neue Möglichkeiten des Datenzugriffs

Überall dort, wo große Risiken gegeben sind, besteht für Kontrolleure ständiger Datenzugriff auf Waren- und Personenbewegungen. Die heute im industriellen Bereich üblicherweise eingesetzte integrierte Unternehmenssoftware ermöglicht diesen Datenzugriff für die Kontrolleure. Weiterhin könnte diese Möglichkeit auch den Verbrauchern gegeben werden - so könnte ein auf das Produkt bezogener Code dem Endkonsumenten ermöglichen, die Chargen seines Lebensmittels bis zum Bauernhof zurückzuverfolgen

Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit

Die beiden Begriffe klingen sehr nach ganz großen Worten, sind aber vor allem in mittleren und kleinen Unternehmen zuhause: Familienfreundlichkeit erlebe ich bei meinen Kunden im Handwerk beispielsweise durch:

·         Beschäftigungs- und Karrierechancen für Frauen

·         Hohe Rückkehrquote von Frauen nach der Babypause

·         Unbürokratische Lösungen, wenn eine Arbeitnehmerin eine Betreuung für das Kind braucht

·         In vielen Familienbetrieben sind er und sie, also ganze (Ehe-)Paare beschäftigt.  Generationengerechtigkeit erkennen wir in der handwerklichen Lebens- und Wirtschaftsweise durch:

·         Altersgemischte Teams, in denen die älteren Mitarbeiter/innen eine ihrer Lebens- und Berufserfahrung angemessene Position einnehmen.

·         Gute Chancen zur beruflichen Neuerfindung (Fleischerei-Fachverkäuferin macht Zusatzqualifikation zur Ernährungsberaterin).

·         Hohes Maß an gemeinschaftlichem Arbeiten und Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen.

·         „Familienunternehmen“, in denen das „Familienoberhaupt“ eine Verantwortung empfindet, die weit über die des bloßen Arbeitgebers hinausgeht.    

Es wurden wirklich gute Anfänge gemacht. Gleichermaßen müssen wir in den Disziplinen Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit noch besser werden. Ganz aktuell startet hier der Landesinnungsverband Baden-Württemberg des Fleischerhandwerks zusammen mit der BWHM (Beratungsgesellschaft des Baden-Württembergischen Handwerkstages) eine viel versprechende Initiative (www.fleischerverbandbw.de). Als Vordenker für die Umsetzung von Generationengerechtigkeit darf das Roman Herzog Institut gelten (www.romanherzoginstitut.de) und in Sachen Familienfreundliches Unternehmen gibt das dafür zuständige Bundesministerium nutzbringende Informationen heraus (www.bmfsfj.de). Wenn Sie selbst Erfahrungen mit der Umsetzung von Maßnahmen für Mütter und ältere Mitarbeiter/innen gemacht haben, teilen Sie mir diese doch mit! Denn: Nichts überzeugt mehr als erfolgreiche Praxisbeispiele!

Familienunternehmen und Nachhaltigkeit

Familienunternehmen sind in besonderer Weise nachhaltig – und das nicht nur, wenn sie Sonnenkollektoren auf dem Dach des Betriebsgebäudes haben. Fünf wichtige Argumente für die Nachhaltig von Familienunternehmen sind: 

1. Familienunternehmer/innen planen dynastisch. Die „Vom Vater auf den Sohn“ – Denke schafft nachhaltig bestehende Unternehmen. Kurzfristig ausgerichtete Schnäppchenjäger- oder Heuschrecken-Mentalitäten sind den Familienunternehmer/innen grundsätzlich wesensfremd.

2. Familienunternehmer/innen beweisen eine höhere Standortbindung und fördern so nachhaltiges Wachstum in der Region. Gerade in strukturschwachen Regionen ist daher die gezielte Stärkung von Klein- und Mittelunternehmen Erfolg versprechend.

3. In Familienunternehmen lebt das Modell „Familie“ auch in der Beziehung zu den Mitarbeiter/innen. Chefs, die das Unternehmen ähnlich einem Familienoberhaupt führen, vermitteln den Mitarbeiter/innen eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. So steigt das Gefühl der Zugehörigkeit und die Austrittsbarrieren werden höher gesetzt.

4. Die Unternehmerfamilie lebt dort, wo das Unternehmen wirtschaftet – das wird zur Verpflichtung. Familienunternehmen zeigen grundsätzlich in besonderem Maße sozial verträgliches, ethisch korrektes und ökologisch verantwortbares Handeln.

5. Vorrangiger Antrieb von Familienunternehmen ist die wirtschaftliche Existenzsicherung der Familie. Dieser Unternehmenszweck ist generell nachhaltiger als die von den Kapitalmärkten verlangte Maxime „Ertragssteigerung um jeden Preis“.  

Gleich neben dem Playboy

Nürnberg, Bahnhofsbuchhandlung. Gleich neben dem „Playboy“ liegt „Beef!“. Wahnsinn, wie ähnlich sich die beiden Zeitschriften sind – das verbindende Thema heißt Frischfleisch. Ich denke kurz an früher, damals als „Essen und Trinken“ irgendwo zwischen „Meine Familie und ich“ und „Frau im Spiegel“ lag.  

Aber die 9,80 Euro-Zeitschrift „Beef!“ sagt auch ganz klar, für wen da geschrieben und fotografiert wird: „Für Männer mit Geschmack“ verrät der Untertitel. Männer mit Geschmack beweisen sich also nicht nur über Auto, Anzug und Armbanduhr. Männer mit Geschmack verstehen beispielsweise viel vom fachgerechten Zerlegen eines ganzen Oktopus, mögen gegrillte Schafsköpfe essen und wissen selbstverständlich Bescheid über die handwerklichen Geheimnisse der Rindfleischreifung. Diese erfolgt am besten trocken und am Knochen. Und darüber jubilieren die Männer aus der „Beef!“-Redaktion über volle 10 Seiten hinweg in vollendeter sprachlicher Schönheit. Natürlich muss man heute im Großstadtdschungel lange suchen. Aber „Beef!“ weiß Rat: irgendwo zwischen dem Versandanbieter „Otto Gourmet“ und einem „Dorfmetzger in Oberfranken“ gibt es immerhin sechs weitere Bezugsadressen für „Dry Aging Beef“. 

Ohne Frage ist „Beef!“ ein wunderschönes Magazin mit großartigen Fotos. Was traurig stimmt, ist nur: Die gute Hälfte der Bedienkräfte an Fleischtheken wird über Rindfleischreifung weniger wissen als die Männer, die statt „Playboy“ doch lieber „Beef!“ lesen. Und, sollten irgendwann die Menschen vor den Theken mehr Fachwissen haben als die dahinter, dann hätten die Bedientheken verloren.