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Archive für 16.9.2008
Der Bioboom frisst seine Väter
16.9.2008 von Fritz Gempel.
Erstmals seit mehr als fünf Jahren haben die Naturkost-Fachgeschäfte in Deutschland weniger verkauft als im Vorjahreszeitraum – das bestätigen zwei Marktforschungsinstitute übereinstimmend. Zwischen zwei und drei Prozent geht der Umsatz zurück. Dabei trifft es die kleinen Naturkostläden am härtesten, während die großen Bio-Supermärkte an Umsatz zulegen. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung: Bio muss für immer mehr Menschen auch billig sein und wird immer öfter in den Filialen der großen Handelskonzerne gekauft.
Die Naturkostfachgeschäfte werden in den nächsten Jahren ganz offensichtlich im Zeitraffertempo das erleben, was die Fleischerfachgeschäfte in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben: Die generelle Versorgerfunktion entfällt, denn die übernimmt der Handel. Was bleibt ist die Spezialistenfunktion – zum einen als Produktspezialist und zum anderen als Kundenspezialist. Die Spezialisierungen der Naturkostfachgeschäfte heißen „Bio und regional“, „Bio und klimafreundlich“, „Bio und Service“ oder „Bio und Premium“.
Wenn der langfristig anhaltende Boom der Bio-Lebensmittel jetzt seine Väter frisst, die vor 20 oder 30 Jahren begonnen haben, Naturkostläden zu eröffnen, dann bestätigt sich einmal mehr: Der Markt ist gerecht, er belohnt und bestraft sehr schnell, aber er ist nicht gnädig, nicht barmherzig.
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