Archive für 8.12.2008

Das Kreuz mit dem Glück

Der tägliche Posteingang im Dezember bringt neben Rechnungen und Werbesendungen auch manche Grußkarte. Unter den guten Grüßen, die wir da erhalten, rangiert das Glück an erster Stelle. Als Unternehmensberater werde ich nun gelegentlich mit dem Glück – und noch viel öfter – mit dem vorgeblichen Unglück von Menschen konfrontiert. Ich habe sie einmal sortiert: diejenigen, die mir meist von ihrem Glück erzählen und diejenigen, die meist ihr Unglück beklagen. Glauben Sie jetzt bloß nicht, dass die Reichen die Glücklichen und die weniger Reichen (die sich arm fühlen) die Unglücklichen sind. Noch dümmer wäre zu glauben, dass die mächtigen Chefs die Glücklichen und die machtlosen Mitarbeiter die Unglücklichen sind. Ich habe für mich persönlich dieses Nachdenken über Glück und Unglück als großen Gewinn – wenn Sie so wollen als großes Glück – empfunden. Den wichtigsten Gedanken schreibe ich Ihnen hier: Die Unglücklichen sehen das Glück nicht!

Menschen, die sich unglücklich fühlen, sind auf dem Glücksauge blind – sie sehen nur ihr Unglück und malen sich das in den dunkelsten Farben aus. Ich denke da an die Unternehmerin, die ein Geschäft mit mehr als 100 Jahren Familientradition aufgibt, weil dieses Familienunternehmen inzwischen das Geld verbraucht hat, welches vorhergehende Generationen verdient haben. Und diese Frau sieht das als großes Unglück. Es wird wohl noch etwas dauern, bis sie erkennt, dass ihr die schwierigste Entscheidung ihres Unternehmerinnen-Lebens die Türen zu neuem Glück geöffnet hat. Stellen Sie sich einmal vor, Sie persönlich wären das Glück. Wohin würden Sie gehen? Bestimmt nicht zu denen, die immer von ihrem Unglück klagen. Denn die würden sie dumm ansehen und fragen: „Was wollen Sie denn hier? Ich habe schon genug Sorgen!“ Die Unglücklichen würden Sie als Glück gar nicht erkennen, übersehen, ignorieren. Ganz klar, Sie als Glück würden auch zu denen mit den wachen Augen gehen, die ständig überlegen: „Könnte diese Person, dieser Moment, diese Gelegenheit mein großes Glück sein?“ Lassen Sie uns also mehr mit dem Glücksauge sehen! Lassen Sie uns die vielleicht großes Glück versprechenden Einladungen, die links und rechts des Lebensweges liegen, erkennen. Interessieren wir uns für die Dinge um uns herum, denn „Glückspilze interessieren sich irgendwie für alles ein bisschen“ (so steht das in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „brand eins“).

Und ich füge noch einen ganz praktischen und sehr persönlichen Tipp an. Denn, wissen Sie, manchmal habe auch ich einfach keine Lust zur Arbeit. Wenn ich mich selbst aus einem solchen Loch heraushole, sage ich mir: „Der nächste Kunde, der jetzt anruft oder den du als nächstes besuchst, der könnte dein großes Glück sein.“ Ich bringe mich mit solchen Gedanken dann wieder zu der Leistungsfähigkeit, die ich einfach von mir erwarte.

Und nun wünsche ich Ihnen das Glück, das Glück zu sehen!

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