Archive für Juli 2009

Identität stiftende Lebensmittel

„Es geht um Produktidentitäten, um Milieus, um Lebensstile – nicht nur um der Erklärung von Produktinhalten“. Die Lebensmittelwirtschaft brauche daher eine „Identitätsoffensive“. Mit solchen Worten eröffnete Prof. Erich Greipl, Chef der IHK für München und Oberbayern gestern in München den „9. Tag der Bayerischen Ernährungswirtschaft“.  

Wer beobachtet, wie sich das Verbraucherverhalten in der Krise verändert, kann ihm da nur zustimmen: Autos, Kleider und Handtaschen bestimmter Marken haben als Identität stiftende Konsumgüter ein Stück weit ausgedient. Statt protzige Demonstration von Kaufkraft zu üben sucht der moderne Verbraucher Sinnerfüllung in den Lebensmitteln. Nicht nur was drin ist, zählt, sondern das ganze Milieu. Diese Sinnsuche an der Bedientheke kann man auf die Formel bringen „Wenn die Menschen, die diese Lebensmittel herstellen ähnliche Grundüberzeugungen haben, wie ich, dann bin ich hier richtig“.

Was lernen wir daraus? Wenn unsere Kunden über Essen und Trinken ihre Gesundheit, Fitness und Schönheit verbessern wollen - tun wir es ihnen gleich. Gehen wir mit ihnen auf “du und du” - nur wer selbst auf Fitness achtet, kann Fitnessprodukte glaubwürdig verkaufen. Wenn unsere Kunden nach Bequemlichkeit (deutsch: Conveniende) suchen, dann werden wir zu Gastgebern statt zu bloßen Warenverkäufern. Wenn unsere Kunden auf Tradition und Genuss stehen, dann schaffen wir mit unseren Läden das Zuhause für diese Bedürfnisse.

Grünes Licht für die Ampel von Frosta

In gut zwei Wochen kommen die Tiefkühlprodukte von Frosta mit der Ampelkennzeichnung auf den Markt. Das ist wirklich gut. Und das ist mutig. Mal ein ganz deutliches „Bravo“ in Richtung Frosta. Der „Bild“-Zeitung war das eine Nachricht auf der Titelseite wert. Die Verbraucher wollen die Ampel – und sie werden die Anbieter belohnen, die ihnen die Produktinformation in den Farben rot, grün und gelb auch liefern wollen. 

Die ganze Diskussion um die Ampelkennzeichnung zeigt auch, wie sehr die berufsständische Interessenvertretung (nicht nur in der Lebensmittelbranche) vorrangig an den kurzfristigen Interessen (und vor allem am kurzfristigen Applaus) ihrer Mitgliedsbetriebe orientiert ist. Denn sei es der Hauptverband des Einzelhandels (HDE), sei es der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) – alle sagen einfach: „Wir wollen keine Ampel”.

Frosta ist ein Beispiel dafür, wie aus der Bereitschaft das Neue, das Andere und das Fremde in sich hineinzuziehen, wirtschaftlicher Erfolg wächst. Wer hingegen alles nur so weiter machen will, wie er es immer schon gemacht hat, ist bestenfalls liebenswert gemütlich.

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